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abgeflogen ... Fusion 09 Fazit

Fusion vorbei, Rakete abgeflogen, zurück ins normale Leben. Wir hoffen, dass ihr keine postfusionistische Depressionen bekommen habt, gut gelandet seid und reichlich Positives mit nach Hause genommen habt. Unser Resümee zur Fusion 2009:

Ja es war voll, richtig voll! Aber trotzdem lief das ganze Festival entspannt über die Bühne. Ohne Katastrophen und ohne dass jemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist. Überall war ne ganz grandiose Stimmung was unzweifelhaft euch, unserem großartigen Publikum zu verdanken war. Ob es nun wirklich zu voll war oder einfach nur viel voller, ist wohl eher eine philosophische Frage.

Mit gut 51.000 zahlenden Gästen über 6000 Freikarten und Gästelistenplätzen und allen blinden Passagieren mal geschätzt, gehen wir von 60.000 Besucher_innen aus, die dieses Jahr das Festival besucht haben. Das ist ein Zuwachs von ca. 15 000 Fusionist_innen. Somit ist das Festival ohne Frage erneut enorm gewachsen. Das hat aber den Charme und Charakter, wie wir meinen, nur unwesentlich verändert. Noch gab es Platz für alle zum Tanzen und wieder gab's neue Orte zu entdecken und wieder sind 'ne ganze Menge cooler Leute neu dazu gekommen.

Weiteres Wachstum bedeutet ganz klar ein wirkliches Problem. Unsere Hoffnung, dass sich durch unsere Defensivstrategien die Gästezahl letztendlich einpendeln wird, hat sich nicht erfüllt. Wir stehen der Situation etwas ratlos gegenüber und merken in vielen Gesprächen, dass es vielen unserer Freund_innen nicht anders damit geht.

Die Eintrittskarten zu limitieren, wollen wir nicht mehr ausschließen. Letztendlich wäre das aber eine Lösung, die auch viele negative Seiten hätte. So müssten dann die Preise für die Vorverkaufstickets deutlich teurer werden, um die deutlich höheren Einnahmen aus der Abendkasse zu kompensieren. Alle Tickets müssten im Vorverkauf ausverkauft werden, denn mit ein paar tausend Resttickets bräuchten wir die Abendkasse gar nicht erst eröffnen. Wer sich aus welchem Grund auch immer erst kurzfristig entschließen kann, würde automatisch vom Festival ausgeschlossen. Wir müssten die umliegenden Felder schützen um Flurschäden durch wildes Campieren zu verhindern und das ganze Festivalgelände extrem aufwendig absichern, gegen Zaungäste, die kein Ticket kaufen konnten aber trotzdem mitfeiern wollen. Alles in allem keine wünschenswerten Szenarien, aber angesichts Steigerungsraten von über 30%, müssen wir das Wachstum irgendwie eindämmen, damit das Festival nicht an seinem Erfolg scheitert.

Für uns bleibt auf jeden Fall die Herausforderung, dieses Festival weiterhin so zu organisieren, dass es für euch alle auch in Zukunft ein Traumurlaub in einem Paralleluniversum bleibt, auf den sich alle das ganze Jahr lang freuen können.

Noch nie waren so viele Menschen an der Realisierung der Fusion beteiligt: Insgesamt haben 94 verschiedene Gruppen mitgewirkt. Einen Teil davon haben wir ja im Guide benannt, andere blieben namenlos aber zusammen waren das ca. 3.500 Fusionist_innen, die gemeinsam dieses Festival realisiert haben. Dazu kamen noch einmal 2800 Helfer_innen, die über unser Arbeitsamt ne Schicht geschoben und an allen Ecken mit geholfen haben. Das sind mal fett 6.300 (!) Leute, die mit größtem Engagement und zum großen Teil ehrenamtlich mitgearbeitet haben. Dazu kommen noch mal über 450 Acts und Gruppen mit über 1500 Artists, die auf 20 Bühnen und Floors das Programm bestritten haben. Wir wollen an diese Stelle allen, die in welcher Form auch immer mitgewirkt haben noch mal ganz ganz herzlich danken. Ohne euch gäb's keine Fusion und keine "Bewegung Ende Juni"

Die Bedeutung der Fusion nicht nur als soziokulturelles, sondern auch als sozioökonomisches Netzwerk hat sich weiter entwickelt und hat mit 95 assoziierten Gruppen und 3500 Aktivist_innen ein gigantisches Ausmaß bekommen. Sämtliche Gewinne aus der Gastro fließen in dieses Netzwerk und werden für kulturelle und politische Zwecke der jeweiligen verwandt. Bezahlte Dienstleistungen auf dem Festival geben wir inzwischen größtenteils in die Hände von alternativen Gruppen, die diese Gelder für ihre eigenen Arbeiten in kulturellen oder politischen Projekte verwenden. Damit ihr vielleicht erahnen könnt, wie viel von eurem Geld an diese Gruppen umverteilt wird, sagen wir euch, dass es annähernd so viel war, wie für das gesamte Booking aller Künstler_innen ausgegeben wurde.

Die neu eingeführte Campingplatzmaut für Autos hat sich gut bewährt. Das Problem war nur, dass die Campingplätze bereits Donnerstagnacht voll waren und alle, die danach ankamen nach stundenlangem Stau nur noch auf der Landebahn abparken durften. Wir wollen hier noch mal allen danken, die die Durchkreuzung ihrer Campingpläne letztendlich gelassen aufgenommen haben und sich den Ansagen der Parkplatzordner gefügt haben und ihr Gepäck zu Fuß auf die Campingplätze geschleppt haben. Nur durch diese Zwangsmaßnahme konnte der notwendige Platz für alle Spätkommer auf der Rollbahn gerade mal so geschaffen werden. Der Verkehr auf den Campingflächen war jedenfalls nahezu bei Null, die Rettungswege waren frei und Fußgänger hatten freien Lauf. Nebenbei hat uns die Zusatzeinnahme der Parkplatzmaut die Finanzierung des Theaterfestivals gerettet. Da ist uns nämlich eine beantragte Förderung durch die Bundeskulturstiftung versagt geblieben und damit fehlten uns im Frühjahr plötzlich 70.000,- bei der Finanzierung. Dieses riesige Finanzierungsloch haben wir nun durch die Parkplatzmaut abgedeckt um das attension-festival zu retten.

Die Insel mit neu gebaggerten See, Familien-Campingzone und dem Zirkus Mobile Casbah war eine echte Perle, die allerdings nur von wenigen entdeckt wurde. Den See hatten wir euch im Vorfeld verschwiegen, um einen Kollaps durch Massenansturm zu vermeiden. Letztendlich wurde der Ort dann aber nur von recht wenigen entdeckt und auch das Familiencamping und die Veranstaltungen dort waren eher spärlich besucht. Das wird sich aber nach dem positiven Echo im nächsten Jahr wohl ändern.

Die erstmals an den Start gebrachten Taschenaschenbecher waren eher ein Ladenhüter von dem wir uns mehr Erfolg gewünscht hatten. Die 70.000 Fusionellas hingegen fanden großen Anklang und die genderübergreifende Nutzung der zahlreichen Pissrinnen hat uns davor bewahrt, dass es am Ende überall nach Pisse gestunken hat. Mit den sanitären Anlagen war es bei so vielen Menschen natürlich wieder grenzwertig und hier werden wir für das kommende Jahr wieder nachbessern und die Infrastruktur ausbauen müssen.

Wir werden in den kommenden Monaten darüber diskutieren, was wir im nächsten Jahr verändern und verbessern wollen und euch per newsletter oder über die website darüber informieren. Jetzt konzentrieren wir uns erst mal auf das Theater-, Kunst-, und Performancefestival at.tension #3, das hier, nach einem Jahr im Off, vom 11.09. bis 13.09. zum nunmehr 3. Mal stattfinden wird. Wir haben uns viel Mühe gegeben, ein großartiges internationales Theaterprogramm zusammen zu stricken und euch erwarten an drei Tagen 40 Gruppen und über 90 Vorstellungen mit großartigem Theater.

Daneben gibt es spannendes Kino, Klub, Konzerte, Open Stage, Workshops uvm. Alle aktuellen Infos zum Festival findet ihr unter www.attension-festival.de.

Soweit erstmal zum Vergangenen und Kommenden. Wir hoffen, viele von euch auf unserem Theaterfestival wieder zu treffen und verbleiben

mit freienkommunistischen Grüßen
Eure Fusion Crew.

P.S. Die nächste Rakete startet von 24. bis 27.06.2010