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Abgeflogen ... Fazit Fusion 2008

Nun wird es wirklich langsam Zeit, dass wir mal wieder etwas von uns hören lassen. Fusion vorbei, Rakete abgeflogen, zurück ins normale Leben. Wir hoffen, dass ihr 'ne schöne Zeit hattet, ohne postfusionistische Depressionen wieder gelandet seid und reichlich Positives mit nach Hause genommen habt.

Hier ist es ruhig geworden. Die Müllsammelarbeiten sind beendet und die Spuren des Festivals verwischen langsam aber sicher. Zurück bleibt ein Kulturkosmosgelände, das gerade jetzt einen ganz besonderen Charme entwickelt. Überall grünt es frisch und das ganze Gelände gleicht einem skurrilen  Park. Die jetzt täglich vorbeikommenden Fahrradtourist_innen staunen verwundert und fasziniert über ein Szenario, dessen Hintergrund sich nicht selbst erklärt und das ihnen somit ein großes Rätsel aufgibt.

Derzeit veranstalten wir hier ein Theatercamp für Jugendliche aus der Region und vorbei ist nun auch schon wieder das vorangegangene "Ajuca", ein alternatives Jugendcamp für Jugendliche aus dem ganzen Land. Aber zurück zu unserem Festival-Fazit.

Zur Fusion 2008 gibt es natürlich viel zu sagen. Über allen Details stehend, wollen wir in Kurzform sagen: Es war die größte, aber für uns auch die entspannteste Fusion ever!
Mit dem im Schnitt besten Publikum, das wir je hatten! Dies ist jedenfalls unser einhelliges Urteil und das von vielen, die schon seit Jahren bei der Realisierung dieses Festivals an den wirklich neuralgischen Punkten mitwirken.

Mit gut 39.000 zahlenden Gästen und ca. 4.500 Freikarten und Gästelistenplätzen und alle blinden Passagiere mal geschätzt, gehen wir von mindestens 45.000 Besucher_innen aus, die dieses Jahr auf dem Platz waren. Allen Fantasiezahlen, die u.a. im Forum kursieren und von scheinbar "gut unterrichteten Kreisen" verbreitet werden, müssen wir widersprechen. Wir zählen die verkauften Karten und nicht die Beine der Besucher_innen - gelle.

Die Fusion ist ohne Frage erneut gewachsen, aber das hat ihrem Charme und Charakter, wie wir meinen, nicht geschadet. Es gab schicke Floors und neue Orte zu entdecken, immer noch ausreichend Platz für alle und es sind 'ne ganze Menge cooler Leute neu dazu gekommen.
Klar wollen wir hier nicht schönreden, dass weiteres Wachstum problematisch werden wird, aber da wir den Ball ja schon recht flach halten und kein wirkliches Patentrezept haben, bleibt uns nur die Hoffnung, dass es sich durch unsere Defensivstrategien letztendlich einpendeln wird. Für uns bleibt die Herausforderung, ein so großes Festival so zu organisieren, dass es für euch alle auch in Zukunft ein einzig- und großartiges Erlebnis sein wird.

Die Eintrittskarten zu limitieren halten wir auch weiterhin für keine gute Lösung. Eher noch überlegen wir, das Festival in Zukunft zu splitten in eine U 30 Fusion und eine Ü 30 Fusion, also ein Jahr für das Gemüse und ein Jahr für's Fallobst.

Der "früher war alles besser Fraktion" wollen wir hier noch mal klar sagen: Nichts bleibt wie es war, auch nicht unser Lieblingsfestival. Wir haben aber die Hoffnung, dass auch ihr nicht hängen bleiben und ewig in Erinnerung schwelgen wollt, sondern bereit seid, euch dem dynamischen Wachstumsprozess in unserer generationsübergreifenden ferienkommunistischen "Bewegung Ende Juni" zu stellen und ihn konstruktiv mit zu gestalten.

Solange weitestgehend bewegungskompatible Leute dazu kommen und unsere fundamentalen Grundsätze nicht verwischen, gibt's kein Problem. Außer, dass gewisse Ressourcen eben brüder- oder schwesterlich geteilt werden müssen und wir alles den Umständen entsprechend planen und organisieren müssen.

Ein anderer Aspekt sollte hier mal ernsthaft erwähnt werden. Nur durch das jahrelange Wachstum konnten die immens steigenden Ausgaben, die das Festival und das Projekt Kulturkosmos im Jahr verschlingen gedeckt werden. Alle, mit dem Festival erwirtschafteten, Überschüsse fließen vollständig zurück in das Projekt Kulturkosmos und kommen dadurch wieder dem Festival und seinen Besucher_innen zu Gute.

Die Arbeiten, die hier das ganze Jahr von Vereinsmitgliedern, Helfer_innen und weitgehend von fest Angestellten verrichtet werden, haben fast alle direkt oder indirekt mit dem Festival zu tun. Ob wir nun weiteres Gelände kaufen, einen B-Plan aufstellen, ein Haus oder Hangar ausbauen oder die Infrastruktur dem gewachsenen Bedarf anpassen, ? Alles steht im Zusammenhang mit der Fusion und wird durch deren Einnahmen finanziert.

Wir wollen damit nicht sagen, dass weiteres Wachstum unsere Perspektive sein kann, aber in den vergangenen Jahren konnten dadurch sehr viele Projekte auf dem Kulturkosmosgelände realisiert werden. Anders herum wären wir ohne Wachstum wohl längst pleite, bzw. müsstet ihr eher das Doppelte für's Ticket zahlen.

Noch mehr Fazit

Noch nie waren so viele Menschen an der Fusion beteiligt, wie in diesem Jahr. Insgesamt 65 verschiedene Gruppen haben mitgewirkt. Einen Teil davon erwähnten wir ja im Guide, andere blieben ungenannt aber zusammen waren das immerhin 2.900 Fusionist_innen, die gemeinsam dieses Festival realisiert haben. Dazu kamen noch einmal 2.300 Helfer_innen, die über unser Arbeitsamt 'ne Schicht geschoben und an allen Ecken mitgeholfen haben. Das sind mal fett 5.200!!! Leute, die mit größtem Engagement und zum großen Teil ehrenamtlich mitgearbeitet haben. Dazu kommen noch mal über 400 Acts und Gruppen mit über 1000 Artists, die auf 18 Bühnen und Floors das Programm bestritten haben.
 
Wir wollen an dieser Stelle allen, die in welcher Form auch immer mitgewirkt haben ganz ganz herzlich danken. Ohne euch gäb's keine Fusion und keine "Bewegung Ende Juni"!

"Jugend- Kultur Förderfond"

Steve Bug, Magda, Kollektiv Turmstraße und The Notwist haben, zum Teil bereits zum wiederholten Mal, für den Fond gespielt. Andere haben ebenfalls auf Honorare verzichtet und uns gebeten dies dem Fond zukommen zu lassen. Auch hier ein ganz dickes Dankeschön an alle Spender!

Der Fond kann's gebrauchen und die davon profitierenden Jugend-Kulturinitiativen in M-V werden sich freuen. Der Verein wird anstelle der anonymen Spender aus den Festivalüberschüssen eine Einlage machen, wenn absehbar ist, wie viele Mittel notwendig sein werden um die notwendigsten Löcher zu stopfen.
Viele mitwirkende Gruppen konnten natürlich auch schon durch ihr Engagement auf der Fusion Devisen für ihre eigenen Initiativen, Vereine oder kulturelle Zentren erwirtschaften.

Die Bedeutung der Fusion nicht nur als soziokulturelles, sondern vor allem auch als sozioökonomisches Netzwerk ist unbestreitbar und hat mit 65 assoziierten Gruppen und 2.900 Aktivist_innen ein gigantisches Ausmaß bekommen. Wer bedenkt, dass sämtliche Gewinne aus der Gastro in dieses Netzwerk fliesen und guten Zwecken zugeführt werden und wir zunehmend mehr bezahlte Dienstleistungen in die Hände von festen Gruppen abgeben, der/die kann vielleicht erahnen wie viel von eurem Geld umverteilt wird.
 

Was gibt's noch zu resümieren?

Die Einführung der Fusionella hat großartig funktioniert und war, wie vermutet, eine lang erwartete Pinkellösung für viele Frauen. Die 41.000 Exemplare waren bereits am Samstag vergriffen und somit wird Stehpissen für Frauen in Zukunft wohl en Vogue werden. Genderübergreifend wurden die Pissrinnen gut genutzt, was eine erträglichere Geruchsbelästigung am Sonntag zur Folge hatte und auch die Toilettensituation entlastet hat.

"Please respect, keep this object clean!" Die Diskussion aus dem letzten Jahr und unser heiß begehrter Aufkleber, haben für einen coolen Umgang mit StreetArt in seinen verschiedensten Formen gesorgt, was uns wirklich sehr erleichtert hat.
 

Was gab's eigentlich an negativen Aspekten?

Die Scheiße mit der neuen "Modedroge" GHB / Liquid Extasy hat einige Besucher_innen fast das Leben gekostet, uns und unseren Sanitätern und Ärzten viel Stress und Ärger bereitet. Wir bleiben bei unserem unmissverständlichen Aufruf diese scheißgefährliche Droge zu ächten und lassen uns deshalb von niemandem den Moralistenschuh staatlicher Drogenpräventionspolitik anziehen. GHB ist Scheiße - basta!

Was noch extrem genervt hat sind Leute, die zum Klauen gekommen sind und jene, die anderen ins Zelt scheißen. Wir haben das Gefühl, dass die Campingplätze eine weitgehend unkontrollierte Zone sind. Wir werden uns dazu etwas überlegen. z.B. eine Campingplatzwache, die durch eine Parkgebühr pro Auto finanziert wird. Generell könnte eine Gebühr für Autos auf den Campingplätzen einige Probleme vermindern wie z.B. das Fahrzeugaufkommen und den Verkehr auf den Campingflächen reduzieren ... Naja wir werden uns das bis nächstes Jahr überlegen.

Zum Schluss noch 'ne schlechte Nachricht

Das At.tension-Festival wird in Zukunft nur noch alle 2 Jahre stattfinden und somit erst wieder im Spätsommer 2009. Der Termin steht schon, es ist der 11.-13.09.2009. Da es in diesem Jahr kein Theaterfestival geben wird, hatten wir eigentlich 'ne kleinere Veranstaltung Mitte September geplant, sozusagen als Trostpflaster. Diesen Plan mussten wir canceln, da wir es kräftemäßig nicht gebacken bekommen, weil viele privat verhindert, oder weg sind, oder sonst was machen. Wir sind in den kommenden Wochen auch auf anderen Theaterfestivals unterwegs, um zu scouten und gute Produktionen für das kommende Jahr zu finden.

Soweit unser Fusion Fazit. Wir wünschen euch noch 'nen heißen Sommer und sagen mal auf ein Neues im kommenden Jahr!

eure Fusion Crew